Franz Friedrich Wallack

Josefine und Franz Wallack bei der Eröffnung der Großglockner Hochalpenstraße am 3. August 1935

Josefine und Franz Wallack bei der Eröffnung der Großglockner Hochalpenstraße am 3. August 1935 (Bildquelle: Großglockner Hochalpenstraßen AG)

Hofrat Dipl.-Ing. Franz Friedrich Wallack (* 24. August 1887 in Wien; † 31. Oktober 1966 in Sankt Johann im Pongau), war Hoch- und Tiefbauingenieur und Erbauer der Großglockner Hochalpenstraße sowie der Gerlos Alpenstraße. Er war einer der beiden zentralen Figuren, die an der Entstehung dieser einzigartigen Alpenpanoramastraße beteiligten waren. Die zweite war der damalige Landeshauptmann Dr. Franz Rehrl.

Im Laufe des Jahres 2015 werde ich noch einzelne wichtige Abschnitte hier hinzufügen. Manche Ereignisse verdienen einen eigene Artikel.

Franz Wallack: die ersten 30 Jahre

Franz Wallack, der von einer Familie aus dem deutschen Sachsen abstammte, wuchs in Wien auf. Er absolvierte die Realschule und ging 1906 als Freiwilliger ein Jahr zur k.k. Festungsartillerie in Wien. 1912 schloss er sein Studium als Diplomingenieur ab und konnte ab August 1913 als Aushilfsingenieur beim Kärntner Landesbauamt anfangen, wo er zur Gailflussregierung in Hermagor eingeteilt wurde. Im Ersten Weltkrieg musste er zunächst in Serbien kämpfen, erlebte alle zwölf Isonzo-Schlachten im östlichen Friaul, Italien und war zu Kriegsende als Oberleutnant bei Trient (Trentino) im Einsatz.

Zurück nach Kriegsende meldete er sich freiwillig zum Kärntner Abwehrkampf, in dem er eine Gebirgsjägerbatterie gegen jugoslawische Einheiten befehligte. Schließlich trat er dann aber wieder im Kärntner Landesbauamt seinen Dienst an. Kleinere Kraftwerksbauten, Flussregulierungen, Seilbahnprojekte und Straßenbauten zählten zu seinem Aufgabengebiet. 1924 erhielt er die Berechtigung eines behördlich autorisierten Zivilingenieurs für das Bauwesen und eines Zivilgeometers.

Großglockner Hochalpenstraße Franz Wallack

Franz Wallack (zweiter von links) mit seinen Ingenieuren beim Bau der Großglockner Hochalpenstraße

Eintritt in das „Projekt Großglockner Hochalpenstraße“

Als das Projekt Großglockner Hochalpenstraße 1924 in die Tat umgesetzt werden sollte – es war ja schon bei der Amtshandlung in Mittersill 1922 beschlossen worden – wurde man auf Dipl.-Ing. Wallack aufmerksam. Und so stellte man ihn am 25. Juni 1924 in Zell am See vor der ersten Trassenbegehung dem Ausschuss zur Erbauung einer Großglockner Hochalpenstraße als leitender Techniker vorgestellt. Nach der abendlichen Sitzung des Ausschusses am 28. Juni wurde er mit dem Projekt offiziell betraut und erhielt das geforderte Honorar zugesprochen: etwa sechs Monatsgehälter eines Hofrates, aber immer noch die Hälfte dessen, womit der Ausschuss gerechnet hatte!

Wallack übersiedelte nach Bruck an der Glocknerstraße. Im Sommer 1925 unternahm Wallack auf eigene Kosten eine Reise, allerdings mit finanzieller Unterstützung der Länder Salzburg und Kärnten, über alle wichtigen Passstraßen Europas. In fünf Wochen besuchte er 43 Passstraßen und untersuchte deren Straßenbeläge, Lawinenverbauungen und anderes, um Informationen für den Bau der Großglockner Hochalpenstraße zu sammeln.
Es folgten dann noch fünf Jahre der Planung, vor allem der Finanzierung und schließlich innerhalb von fünf Jahren 26 Monate Bauzeit, echte Arbeit an der Straße. In einem eigenen Artikel wird der Variantenstreit der Großglockner Hochalpenstraße behandelt, die Wallack mit dem Salzburger Landeshauptmann Franz Rehrl jahrelang führen musste.

Wallacks technische Leistung, diese erste moderne Gebirgsstraße zu bauen, zählt längst zu den bedeutendsten historischen Ereignissen des 20. Jahrhunderts. Am 3. Juli 1935 erfolgte nach nur fünfjähriger Bauzeit (in den Sommermonaten) die Eröffnung dieser Nord-Süd-Verbindung über die Zentralalpen. Im selben Jahr wurde ihm der Titel Hofrat verliehen.

Von 1939 bis 1945 war er Leiter einer Schneeforschungsstelle und Mitglied des Nationalsozialistischen Kraftfahrerkorps (NSKK). Seine beiden Aufnahmeanträge in die NSDAP 1940 und 1941 wurden abgelehnt. 1945 erfolgte eine staatspolitische Registrierung als Mitglied einer nationalsozialistischen Organisation, die erst 1947 wieder gelöscht wurde.

1946 erfolgte die Ernennung zum „wirklichen Hofrat“ im Personalstand der Kärntner Landesregierung. Franz Wallack war mit Josefine verheiratet. Er verstarb im 80. Lebensjahr am 31. Oktober 1966 und wurde am 7. November 1966 in einem Ehrengrab der Stadtgemeinde Salzburg am Kommunalfriedhof begraben.

Wallack liebte die Natur

Wallack war aber nicht nur ein hervorragender Straßenbauer, sondern er liebte auch die Natur. Er trassierte die Straße so, dass sie sich harmonisch in die Landschaft schmiegt und der Natur möglichst keine Gewalt antut.

Bis zur Fertigstellung seines Lebenswerkes überquerte Wallack über 260 Mal zu Fuß den Alpenhauptkamm und legte dabei geschätzte 15 000 Kilometer zurück. Noch mit 73 Jahren leitete Wallack den Neubau der Gerlos Alpenstraße. Franz Wallack war bis zu seinem Tode auch der erste Vorstand und Generaldirektor der Großglockner Hochalpenstraßen AG.

Wallack-Rotations-Schneefräse

1952 konstruierte er die Wallack-Rotations-Schneefräse für die Schneeräumung der Großglockner Hochalpenstraße, die erstmals 1953 zum Einsatz kam. Dazu folgt noch ein eigener Artikel.

Gerlos Alpenstraße, die zweite Straße von Wallack

Geldmangel verhinderte lange die Umsetzung der zwölf Kilometer langen und 7,5 Meter breiten Straße, die Wallack von Krimml über 558 Höhenmeter und acht Kehren bei einer maximalen Steigung von neun Prozent hinauf nach Gerlos geplant hatte. Am 20. Juli 1960 war es dann aber nach elf Jahren des Wartens endlich soweit. Landeshauptmann Josef Klaus, der gleichzeitig auch Vorsitzender im Aufsichtsrat der Großglockner Hochalpenstraßen AG war, nahm den Spatenstich vor.

500 Arbeiter errichteten in 700 000 Schichten, in 26 Monaten, die Straße. Dabei musste eine umfassende Entwässerung des rutschgefährdeten Geländes ebenso gebaut werden wie eine aufwändige Wildbachverbauung. Die Scheitelstrecke, die durch ein Hochmoor führt, musste auf einer Länge von 1,5 Kilometern vier Meter tief ausgehoben werden, bis man auf festen Untergrund stieß.

Gerlos Alpenstraße im Oktober 1962: hier die Lösung von Wallack für das Trattenköpfl.

Gerlos Alpenstraße im Oktober 1962: hier die Lösung von Wallack für das Trattenköpfl.

Wallack löste Probleme genial

Kurz nach Beginn der Strecke musste Wallack eine technische Lösung für das sogenannte Trattenköpfl finden, in dessen Bereich die Straße eine 180-Grad-Kehre benötigte. Wallack löste dieses Problem, in dem er zunächst die Trasse der Straße durch einen Tunnel unter dem Trattenköpfl führte, danach eine Kehre in Form eines Dreiviertelkreises um dieses Trattenköpfl im Freien baute und die fehlende Drehung der Straße in die Gegenrichtung in einer Schleife bergwärts führen konnte.

Die gesamte Trasse war auf einer 40 bis 60 Zentimeter starken Frostschutzschicht gebaut worden, um die Straße absolut wintersicher zu machen. Wie schon bei der Großglockner Hochalpenstraße ließ Wallack auch bei der Gerlos Alpenstraße ein Fernsprechkabel entlang der Straße verlegen und Notrufstellen errichten.

Gerlos Alpenstraße Hans Lechner Franz Wallack

Eröffnung der Gerlos Alpenstraße am 1. Dezember 1962: von links: Landeshauptmann Dr. Hans Lechner, Finanzminister Josef Klaus (zu Baubeginn Landeshauptmann von Salzburg) und Hofrat Franz Wallack

Am 1. Dezember 1962 wurde dann die Gerlos Alpenstraße eröffnet. Klaus, der mittlerweile zum Finanzminister berufen worden war, und der neue Salzburger Landeshauptmann Dr. Hans Lechner führten zusammen mit Franz Wallack die 300 Fahrzeuge umfassenden Autokolone der Eröffnungsfahrt an. Aber erst 1964 war dann auch das letzte Straßenstück zwischen der Salzburger Landesgrenze und der Gemeinde Gerlos auf Tiroler Seite geschlossen. Durch den Bau des Kraftwerkspeichers Durlaßboden konnte nun die 38 Kilometer lange Straße zwischen Krimml und Zell am Ziller durchgehend befahren werden.

Weitere Bilder von Hofrat Franz Wallack auf meiner Bilderseite unter diesem Link.

Zu meinem Beitrag „331 Jahre vom fürsterzbischöflichen Goldtransportweg zur modernen Gerlos Alpenstraße

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