Was geschah 1924 bei der Planung der Großglockner Hochalpenstraße

Nach der Mittersiller Amtshandlung im Jahr 1922 war es im darauf folgenden Jahr ruhig um das Projekt Tauernstraße. Hinter den Kulissen wurde immer noch darüber gestritten, ob eine Straße von Salzburg über den Felber Tauern nach Osttirol oder über das Hochtor nach Kärnten geplant werden sollte.

Am 23. Jänner 1924 beantragte der Verkehrsausschuss des Salzburger Landtags, die Salzburger Landesregierung solle sich mit den Landesregierungen von Tirol und Kärnten wegen des Ausbaus einer „Großglocknerstraße“ ins Einvernehmen setzen. Diesem Antrag wurde stattgegeben und am 8. Mai 1924 berichtete Dr. Otto Troyer der Salzburger Landesregierung von jener Begehung im Jahr 1922. In seiner Rede führte er aus, dass eine Straße über den Felber Tauern 39 Milliarden Kronen, eine Großglocknerstraße hingegen nur 24 Milliarden Kronen, kosten würde.

Der Name der Straße wird geboren
Es folgte am 3. Juni 1924 ein Treffen mit Vertretern der Landesregierungen von Kärnten und Salzburg. Dabei wurde von Dr. Troyer der Begriff „Großglockner Hochalpenstraße“ geprägt und der Beschluss zur Gründung eines „Ausschusses zur Erbauung einer Großglockner Hochalpenstraße“ gefasst. Dieser war der Vorläufer der erst 1931 ins Leben gerufenen „Großglockner Hochalpenstraßen Aktiengesellschaft“.

Auf der Suche nach einem geeigneten Projektplaner wurde der im Ausschuss mittätige Kärntner Landesamtsdirektor Siegmund Zechner von einem Freund auf Wallack aufmerksam gemacht. Dipl.-Ing. Franz Wallack war zu jener Zeit Landesbaurat bei der Kärntner Landesregierung.

Geburtsstunde der heutigen Großglockner Hochalpenstraße
Am 25. Juni 1924 stellte dann Zechner dem Ausschuss, der in Zell am See tagte, Wallack vor. Schon am nächsten Tag begannen Besichtigungen und Begehungen im Fuscher Tal und am 28. Juni bis hinauf zum Hochtor. Dort, an der Landesgrenze zwischen Kärnten und Salzburg, wartete bereits der Bürgermeister von Heiligenblut und zusammen mit den Kärntner Mitgliedern der aufgestiegenen Delegation begrüßte er „uns mit dem zwar nicht wohlklingend vorgetragenen, aber gut gemeinten Kärntner Heimatlied“ (Zitat Franz Wallack „25 Jahre Großglockner Hochalpenstraße“, Seite 3).

Noch am Abend des 28. Juni trat der „Ausschuss zur Erbauung einer Großglockner Hochalpenstraße“ im Hotel Rupertihaus in Heiligenblut zu seiner konstituierenden Sitzung zusammen und beauftragte Franz Wallack „zur Erstellung eines generellen Projekts für eine Großglockner Hochalpenstraße“.

Es war die Geburtsstunde der heutigen Großglockner Hochalpenstraße.

Trassierungsarbeiten
Wallack begann mit seinen Trassierungsarbeiten bereits drei Tage später, am 1. Juli 1924. Bis 6. August war er dann mit zwei Vermessungsgehilfen zwischen Heiligenblut und Ferleiten damit beschäftigt, den optimalen Straßenverlauf zu erkunden und zu vermessen. Am Abend des 6. August saß er mit seiner Frau auf der Terrasse des Hotels Post in Heiligenblut – er hatte seine Arbeiten im Freien abgeschlossen. Bis 26. September arbeitete er dann die Daten seiner Trassierungsarbeiten aus und erstellte einen Übersichtsplan im Maßstab 1:5 000.

Nach der Sitzung am 26. September 1924, bei der Wallack sein Projekt dem Ausschuss präsentierte, lud die Stadtgemeinde Zell am See am 28. September 1924 in- und ausländische Journalisten zu einer Pressekonferenz ein. Dabei stellte Wallack die Großglockner Hochalpenstraße erstmals der Öffentlichkeit vor. Auch bei der Wiener Herbstmesse, Anfang Oktober, war das Projekt präsent.

Ingenieure verschiedener Bauunternehmen und Journalisten gingen noch am 4. November 1924 bei erstaunlich guten Wetterverhältnissen von Ferleiten über das Hochtor bis Heiligenblut. Die „alte Großglocknerstraße“ (eine Mautstraße von Heiligenblut zum Glocknerhaus) wurde dann am 6. November begannen und am 1. Dezember trafen die ersten Angebote von Baufirmen aufgrund der im Herbst erfolgten Bauausschreibung ein. Damit endeten die Ereignisse des Jahres 1924.

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