Was geschah 1925 bei der Planung der Großglockner Hochalpenstraße

Nachdem Franz Wallack im Sommer 1924 sich mit der Trassierung der Großglockner Hochalpenstraße beschäftigt hatte, wollte er im Sommer 1925 europäische Alpenpässe besichtigen. Diese Studienreise wollte er anfangs alleine finanzieren, bekam aber dann neben einem bewilligten Sonderurlaub auch noch einen Teil der Reisekosten von der Salzburger und der Kärntner Landesregierung zugeschossen.

In fünf Wochen bereiste er dann 43 Passstraßen, vom „Col di Tenda“, einem Alpentunnel an der Grenze Frankreich – Italien in der Nähe des Mittelmeers, über Schweizer Alpenpässe wie den Großen St. Bernhard oder Splügenpass, bis hin zum Semmeringpass in Niederösterreich.

Straßenbeläge, Kurvenradien, Lawinendienste, die Organisation von Personentransport durch Postauto oder Reisebüros, die einzige mautpflichtige Alpenstraße über den Karerpass (sonst war bereits überall die Mautpflicht abgeschafft gewesen), Pkw- und Reisebus-Frequenzen – Wallack erhob und notierte einfach alles, was er an Daten sah oder organisieren konnte.

Die Großglockner Hochalpenstraße wird einzigartig in Europa sein
Die erstaunlichsten Erfahrungen für ihn waren, dass keine dieser Alpenstraßen höhenmäßig so weit hinauf führte, wie seine Straße es konnte; dass keine Straße zwei Scheitelpunkte mit dazwischen liegender, aussichtsreicher Panoramafahrt aufwies und keine Straße oberhalb von Gletscherabbrüchen führte, von wo aus man einen Blick auf einen Gletscher hätte. Alle diese fehlenden Merkmale aber erfüllte sein geplanter Straßenverlauf und somit war die Großglockner Hochalpenstraßen schon vor ihrer Erbauung in den Augen ihres Erbauers einzigartig.

Diese Beobachtungen ließen Wallack schließen, dass er für die Großglockner Hochalpenstraße pro Jahr mit 120 000 Besuchern in 15 570 Pkw, 3 570 Autobussen und 1 000 Motorrädern rechnen dürfe. Tatsächlich waren es dann im Eröffnungsjahr 1935, obwohl die Straße erst ab Anfang August durchgehend für den Verkehr freigegeben war, 130 571 Besucher in 19 309 Pkw, 4 174 Autobussen und 5 482 Motorräder.

Letzte Trassierungsarbeiten hinauf zur Kaiser-Franz-Josefs-Höhe
Am 27. September 1925 brach Wallack erneut zu Trassierungsarbeiten von Heiligenblut in Richtung Glocknerhaus auf. Am 13. Oktober war er damit bis in den Bereich der Kaiser-Franz-Josefs-Höhe fertig und kehrte am 18. Oktober wieder nach Klagenfurt zurück, wo er lebte.

Nun hatte er alle Daten für den Bau der Straße, sowohl für die Durchgangsstraße von Ferleiten nach Heiligenblut, als auch für die Gletscherstraße von Guttal auf die Kaiser-Franz-Josefs-Höhe.

Dann wurde es jahrelang still um die Großglockner Hochalpenstraße. Erst 1928, nachdem der Salzburger Landeshauptmann Dr. Franz Rehrl seine Idee mit der Errichtung eines gigantischen Tauernkraftwerks hatte, begann es in der Geschichte der Straße wieder interessant zu werden.

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