Tauernkraftwerke- und Großglocknerstraßen-Projekt

Der Salzburger Landeshauptmann Dr. Franz Rehrl verfolgte bei der Verwirklichung der Großglockner Hochalpenstraße zwei Ziele. Er wollte mit der A.E.G. Berlin ein gigantisches Kraftwerkprojekt im Gebiet Pinzgau, Osttirol und Nordkärnten realisieren und die für den Bau dieser Anlagen notwendigen Baustraßen später, umsonst, als Ausflugsstraßen übernehmen.

Das Tauernkraftwerke-Projekt

Das Tauernkraftwerke-Projekt sollte einerseits Strom für das junge Österreich liefern, andererseits durch Exporte nach Deutschland Devisen ins Land bringen. Dazu sollten die Wassermengen der Venediger-, Granatspitz-, Glockner-, Sonnblick-, Ankogel-, Hafner-, Virgen-, Schober- und Defreggengruppe gesammelt und zu einem mehrstufigen Kraftwerkblock geleitet werden.

Als Sammelpunkt der Wassermengen wurde ein geeigneter Platz in 1 900 m ü. A. gesucht, der sich nach Untersuchungen im Kapruner Tal mit den Tauernmoos-, Moser- und Orglerboden fand. Das Einzugsgebiet sollte 2 000 Quadratkilometer umfassen: 930 km² in Osttirol, 620 km² in Kärnten und 450 km² in Salzburg. Insgesamt sollten etwa 3,3 Milliarden Kubikmeter Wasser gesammelt und zur Energiegewinnung genutzt werden.

In drei Etappen sollte Strom gewonnen werden: durch das Gefälle von 420 Metern zwischen Moser- und Orglerboden, durch das Gefälle von 881 Metern zwischen Orglerboden und Kaprun und schließlich in einem Kraftwerk an der Salzach zwischen Bruck an der Großglocknerstraße und Sankt Johann im Pongau. Zusammen sollten die drei Kraftwerke 1,5 Millionen Kilowatt oder zwei Millionen Pferdestärken an Maschinenkraft bieten, mit der 6,6 Milliarden Kilowattstunden Strom jährlich produziert werden sollten.

Man wollte im Zentralraum der Hohen Tauern 1 250 Kilometer Hangkanäle und Stollen errichten, 280 Kilometer Sammelkanäle und Sammelstollen und drei Talsperren mit je 100 Meter Stauhöhe.

Als Gesamtkosten wurden von der A.E.G. Berlin rund 250 Millionen Dollar (6,6 Milliarden Schilling, Geldwert 1928) veranschlagt.

Die Großglockner Hochalpenstraße als Baustraße

Für die Errichtung aller Einrichtungen waren Seilbahnen, Standseilbahnen und Straßen geplant. Eine dieser Baustraßen sollte die Großglockner Hochalpenstraße werden.

In der Silvesterbotschaft 1928 ließ Dr. Rehrl verlauten, da für das Projekt auch das Einzugsgebiet auf der Südseite der Tauern miteinbezogen würde, muss ein geeigneter Stollen quer durch das ganze Tauernmassiv geführt werden. Dieser sollte ohne großen Aufwand zu errichten und somit auch die Frage der Glocknerstraße gelöst sein.

Die Anfänge des Variantenstreits

Aus dieser Aussage des Landeshauptmanns von Salzburg 1928 war zu entnehmen, dass er, Dr. Rehrl, die Scheitelstrecke nicht wie von Wallack geplant über Fuscher Lacke und Hochtor (2 506 m ü. A. geplante Länge 255 Meter) realisieren werde, sondern durch einen drei Kilometer langen Tunnel unter der Pfandlscharte in nur 2 080 m ü. A. Dieser Wunsch Rehrls führte zu einem jahrelangen Variantenstreit der Scheitelstrecke, die Geld und Wallack viel Nerven kostete.

Wallack hatte nämlich bei der Trassierung den Auftrag erhalten, die Straße so anzulegen, dass möglichst viele touristisch interessante Punkte damit erreicht werden können, die Straße möglichst auf sonnseitigen Hängen geführt werde (um auch eine möglichst lange schneefreie Periode zum Befahren zu garantieren) und sie das Panorama der Dreitausender-Gipfel präsentiert. Mit der von Rehrl gewünschten Streckenführung wäre aber ein Großteil dieser Vorgaben nicht erfüllt worden (es gäbe keine Edelweißspitze, kein Fuscher Törl, keinen Hochtortunnel und keine Panoramafahrt vom Fuscher Törl vorbei an Fuscher Lacke hinauf zum Hochtor).

Warum es dann doch anders kam

Bis in den Spätherbst 1929 verfolgte Dr. Rehrl sein Ziel der Realisierung der Tauernkraftwerke mit A.E.G. Berlin. Doch die Widerstände in verschiedenen Ministerien gegen dieses Projekt, die Weltwirtschaftskrise und damit einhergehend auch Probleme seitens der A.E.G. Berlin, ließen eine baldige Realisierung der Tauernkraftwerke in weite Ferne rücken.

Daher wollte Rehrl nun alleine die Großglockner Hochalpenstraße realisieren und fand im damaligen Finanzminister Dr. Otto Juch einen Fürsprecher für das Projekt Straße. Es folge ein Beschluss des Salzburger Landtags, der die zukünftigen Beziehungen der Straße und dem Tauernkraftwerke-Projekt regelte.

Im Jahr darauf, 1930, ging es dann los.

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