Was geschah 1930 an der Großglockner Hochalpenstraße

Straßenbeginn in Fusch an der Großglocknerstraße (Bildquelle: Archiv GROHAG)

Am 11. März 1930 erhielt Wallack von Rehrl ein Telegramm. Der Salzburger Landtag hatte die Errichtung der Großglockner Hochalpenstraße beschlossen und Rehrl beauftragte Wallack „dass Sie sich führend an den technischen Arbeiten beteiligen werden…“ In einem Gespräch am 16. März legte Rehrl dann seinen Plan für die Scheitelstrecke Wallack vor. Der Variantenstreit der beiden entbrannte aufs Neue.

Rehrl wollte die Straße von Ferleiten bis auf das Obere Naßfeld führen und von dort aber unter der Pfandlscharte bis knapp unterhalb der Kaiser-Franz-Josefs-Höhe. Auf der Kärntner Seite sollte die Straße von Heiligenblut bis zur Kaiser-Franz-Josefs-Höhe errichtet werden. Wallacks Variante über das Fuscher Törl und das Hochtor wollte Rehrl nicht realisieren.

Am 28. April erhielt Wallack die Angebote von den Baufirmen, die sich um den Auftrag zur Errichtung der Straße beworben hatten. Die geplanten Kosten für die von Wallack geplante Straßenführung betrugen 13 Millionen Schilling, die für jene Variante von Rehrl aber 19,5 Millionen Schilling.

Straßenunterbau im Bereich von Ferleiten

Der Bau beginnt

Ende Juni begann Wallack mit den beiden für den Bau beauftragten Firmenkonsortien mit den Trassierungsarbeiten sowohl bei Fusch in Salzburg als auch bei Heiligenblut in Kärnten. Dies, obwohl die offizielle Bauvergabe erst am 6. August durch die Salzburger Landesregierung erfolgte. Aber die Zeit drängte und Wallack wollte mit den Arbeiten beginnen.

Am 12. August wurde das Bauvorhaben der Großglockner Hochalpenstraße zum so genannten „begünstigten Bau“ (die genaue Bedeutung dieser Bezeichnung konnte ich noch nicht feststellen). Vom 27. bis 29. August fanden Verhandlungen in Heiligenblut und Ferleiten statt. Dabei wurden seitens des Bundesministeriums für Handel und Verkehr jene Bedingungen festgelegt, die aus öffentlichem Interesse bei der Errichtung der Straße zu berücksichtigen sind.

Mittlerweile waren mehrere hundert Bauarbeiter auf beiden Seiten der Tauern eingetroffen. Sie waren in Gasthöfen und auf Bauernhöfen einquartiert. Sie errichteten Ende August an der Nordrampe drei Baulager aus Baracken für 454 Mann und an der Südrampe für 423 Mann. Daneben entstanden Magazine, Kantinen, Werkstätten, Ingenieur- und Bürobaracken, Kompressoren wurden angeliefert, Pressluftleitungen verlegt, Bohrhämmer, Sandmühlen, Schotterquetschen und Feldbahnen auf den Berg gebracht. Um an der Südrampe im hochgelegenen Abschnitt genügend Energie zur Verfügung zu haben, entstand in der Nähe des Glocknerhauses ein Kraftwerk. Dieses nutzte die Wasserkraft des Pfandlschartenbaches und brachte rund 200 PS. Am 23. Oktober 1930 ging es in Betrieb.

Der erste Sprengschuss

Bei herrlichem Wetter löste die fünfjährige Tochter des Salzburger Landeshauptmanns Dr. Franz Rehrl am 30. August 1930 am Vormittag den Knopf zur ersten Sprengschussserie aus, der zum ersten Mal Hunderte von Sprengschüssen zündete.

Die Arbeiten an den höchstgelegenen Baulose 6 und 7 vom Schobereck bis zur Franz-Josefs-Höhe mussten wegen starkem Schneefall Mitte November eingestellt werden. Bei den beiden tiefer gelegenen Baulosen an der Südrampe konnte man bis Mitte Dezember arbeiten.

An der Nordrampe konnte im obersten Baulos 3 bis 27. Oktober gearbeitet werden. Im Baulos 2 bei Ferleiten ging es noch bis in die erste Dezemberwoche weiter, im Baulos 1 wurde in der Bärenschlucht bis 20. Dezember in den Steinbrüchen gearbeitet.

Der erste Tote der Bauarbeiten

Leider war bereits im Oktober 1930 der erste Tote im Zusammenhang mit den Bauarbeiten am Berg zu beklagen.

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