Der Bausommer 1931 an der Nordrampe

Ferleiten zum Piffkar Großglockner Hochalpenstraße

Baulos 2 von Ferleiten zum Piffkar (Bildquelle: Archiv Großglockner Hochalpenstraßen AG)

Eine Übersicht, was im Jahr 1931 insgesamt rund um die Großglockner Hochalpenstraße geschah, können Sie unter diesem Link nachlesen. Hier finden Sie Details zu den Arbeiten auf Salzburger Seite von Dorf Fusch hinauf zum Hochmais.

Erster Streckenabschnitt wird für den Verkehr freigegeben

Schon früh begann man mit den Arbeiten am Baulos 1 von Dorf Fusch nach Ferleiten, da Wallack diesen Teil der Straße am 15. Juli 1931 für den Verkehr freigeben wollte, um Mauteinnahmen zu erhalten. Zunächst kämpften die Arbeiter mit einer gewaltigen Lawine in der Bärenschlucht (die bis heute immer wieder abgeht), dann, bei einsetzenden frühlingshaften Temperaturen mit Morast und schließlich nochmals mit einem halben Meter Neuschnee in der Bärenschlucht.

Kurz vor der Freigabe des Streckenabschnitts bis Ferleiten verwandelte am 29. Juni ein lang anhaltender Wolkenbruch die kleinsten Bäche in reißende Ströme, die gewaltiges Geschiebe (Steine, Geröll, Schlamm) mit sich führten.  Dorf Fusch stand unter Wasser und wurde vermurt, zwischen Dorf Fusch und der Embachkapelle wurde die neue Straße durch zwei Muren auf 200 Meter Länge verschüttet, die Lehrgerüste für die Schalung der Eisenbetonbrücke in der Bärenschlucht verklauste und erheblicher Schaden trat ein. Mit Hilfe von Militäreinheiten wurden die Bäche wieder in ihre alten Bette zurückgedrängt und Dorf Fusch von den Muren gereinigt.

Trotzdem konnte die erste Teilstrecke der Großglockner Hochalpenstraße von Dorf Fusch bis Ferleiten am 15. Juli 1931 dem Verkehr freigegeben werden.

Glocknerbaraber Großglockner Hochalpenstraße

Die „Glocknerbaraber“, wie sie genannt wurden, bei der Arbeit (Bildquelle: Archiv Großglockner Hochalpenstraßen AG)

Bergwärts wuchsen die Baustellen – an der Nordrampe

In den letzten Apriltagen konnten die Mannschaften im Baulos 2 von Ferleiten aufwärts ihre Arbeit aufnehmen. In der zweiten Hälfte des Monats Mai waren die Baustellen zwischen Piffkar und Hochmals bereits soweit schneefrei, dass auch dort mit Arbeiten begonnen werden konnte. Nach Fertigstellung des Bauloses 1 im Juli kamen die Bautrupps von dort zur Verstärkung zum Baulos 2  von Ferleiten zum Piffkar. Die Kehren 1 bis 6 entstanden. In der Nähe des Piffkars wurde 500 Meter über der Straße auf einer Felswand ein Steinbruch eröffnet, der mit der Baustelle mit einem Schrägaufzug verbunden war. Zwei schwere Straßenwalzen wurden zerlegt zum Piffkar und Hochmais transportiert, wo sie wieder zusammengesetzt wurden.

Mittlerweile wurde unter großen Strapazen das Baulos 3 vom Piffkar zum Hochmais in Angriff genommen. Von Mitte Juni bis September regnete es häufig, an schönen Tagen gab es fast regelmäßig schwere Hochgewitter gegen Abend. Doch selbst bei schönem Wetter gab es Probleme. Die oft über mehrere Kilometer lang verlegten Preßluftleitungen lagen frei an den Hängen und waren oft stark elektrisch aufgeladen. Einmal erhielt eine ganze Arbeitergruppe einen elektrischen Schlag, wurde beiseite geschleudert und kurz ohnmächtig. In der zweiten Hälfte des Septembers setzten bereits starke Schneefälle ein. Diese erzwangen dann Ende Oktober die Baustelleneinstellung an hochgelegenen Arbeitsstellen und Ende November auch oberhalb von Ferleiten.

Was war an der Nordrampe in diesem Jahr erreicht worden?

Das Baulos 1 von Dorf Fusch nach Ferleiten konnte dem Verkehr übergeben werden.
Das Baulos 2 von Ferleiten zum Piffkar war zu 78 Prozent fertiggestellt worden.
Das Baulos 3 vom Piffkar zum Hochmais war zu 72 Prozent fertiggestellt worden.

Im Herbst 1930 waren im Höchststand 900 Arbeiter an der Nordrampe beschäftigt gewesen, die insgesamt 64 000 Tagwerke leisteten. 1931 waren es bereits 1 800 Arbeiter, die 222 000 Tagwerke geleistet hatten.

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