Was geschah 1932 an der Großglockner Hochalpenstraße

Südrampe der Großglockner Hochalpenstraße, Eröffnungsfahrt am 2. Oktober 1932, hier beim Kasereck (© Emil Klauer, Bildquelle: Allgemeine Automobil-Zeitung, Ausgabe Oktober 1932, Nummer 10)

Im Bausommer 1932 konnten sowohl die Nord- als auch die Südrampe fertiggestellt werden. Was noch fehlte war die Scheitelstrecke, um deren Trassenführung ja 1931 der Variantenstreit zwischen Landeshauptmann Rehrl und Bauleiter Wallack ausgebrochen war. Und solange dieser Streit nicht geschlichtet war, konnte die fehlende Scheitelstrecke nicht in Angriff genommen werden.

Finanzierungsprobleme

Die Großglockner Hochalpenstraßen AG plagten Finanzprobleme. Begonnen hatten diese bereits mit Baubeginn im Sommer 1930. Dabei stellte man fest, dass man aufgrund der Geländegebenheiten nicht mit dem geplanten Aktienkapital von zehn Millionen Schilling und weiteren zwei Millionen Schilling, die durch die Begebung von Obligationen an die Bauunternehmen aufgebracht werden sollten, ein Auslangen zur Errichtung der Straßen finden wird.

1931 kam ein weiteres Problem hinzu. Vom Stammkapital waren zu Baubeginn erst 40 Prozent eingezahlt worden. Die restlichen 60 Prozent hätten von den Aktionären zu zwei Raten 1931 bezahlt werden sollen. Aber einer der Aktionäre, die Tauern(kraft)werke AG lehnte weitere Zahlungen ab, da es die von der österreichischen Regierung erwartete Zusagen (die Zusage, dass die Straße ein „begünstigter Bau“ hätte werden sollen) nicht abgab.

Somit standen der GROHAG nach Abzug des Anteils der Tauernwerke AG von der ersten gezahlten Rate nur mehr 6,7 Millionen Schilling zur Verfügung.

Dazu kam die Meldung, dass die Österreichische Creditanstalt für Handel und Gewerbe außergewöhnlich hohe Verluste erlitten hatte, die nun von der österreichischen Bundesregierung aufgefangen werden mussten. Es fehlten die Gelder für den Anteilsrückkauf von der Tauernwerke AG. Schließlich sprang das Credit-Institut für öffentliche Unternehmungen und Arbeiten ein.

Der Winter 1931/32 wurde also genutzt, um die endgültige Finanzierung der Großglockner Hochalpenstraße zu fixieren. Was natürlich den Medien nicht verborgen blieb und diese über die GROHAG herfielen.

die Gletscherstraße zwischen Guttal und Glocknerhaus entsteht, im Hintergrund der Großglockner

Baubeginn 1932 war Mai

Das Handelsministerium hatte Wallack trotz fehlender Finanzierungszusage der Regierung zur Fahrbarmachung der alten Glocknerhausstraße bis 15. Juni 1932 beauftragt. Rehrl erhob gegen Wallack daraufhin schwere Vorwürfe. Wallack wartete auf Geld. Es kam aber keines Geld. Schließlich konnte Wallack mit Hilfe des Beitrags, der eigentlich nach Fertigstellung der Alpenvereinssektion Klagenfurt als Entschädigung für die Abtretung der alten Glocknerhausstraße ausbezahlt werden sollte (140.000 Schilling) die Arbeiten beginnen. So schaffte Wallack die Öffnung mit 15. Juni.

Bereits mit 1. Juni 1932 hatte die GROHAG alle Mitarbeiter einschließlich Wallack mangels Geldzusage von der Bundesregierung gekündigt. Am 5. Juni besuchte Bundeskanzler Dr. Dollfuß die Straße und seine positive Sicht der Dinge führte zu einer Gesetzesvorlage durch den Finanz- und Budgetausschuss am 24. Juni 1932. Darin wurde ein unverzinsliches Darlehen von 3,942 Millionen Euro wurde beschlossen, das der Nationalrat am 30. Juni genehmigte.

Alle Arbeiter und Angestellte wurden wieder eingestellt und Wallack arbeitete mit Hochdruck an der Fertigstellung beider Rampen. Am 1. September 1932 konnte die Großglockner Hochalpenstraßen an der Nordrampe bis Parkplatz Hochmais eröffnet werden. Von hier teilten sich die beiden Varianten für die Trassenführung der Scheitelstrecke: Wallack wollte über das Fuscher Törl zum Hochtor, Rehrl mit Tunnel unter der Pfandlscharte bzw. mit einer Straße über das Gamskar zur Kaiser-Franz-Josefs-Höhe. Eine Einigung gab es noch nicht.

Befahrung anlässlich der Eröffnung am 2. Oktober 1932 (© Emil Klauer, Bildquelle: Allgemeine Automobil-Zeitung, Ausgabe Oktober 1932, Nummer 10)

Fertigstellung der Südrampe

Am 2. Oktober 1932 wurde dann die 17 Kilometer lange Südrampe von Heiligenblut über das Schobereck bis hinauf zum Umkehrparkplatz Kaiser-Franz-Josefs-Höhe eröffnet. Bei den Eröffnungsfeierlichkeiten waren der österreichische Bundespräsident Wilhelm Miklas,  Finanzminister a. D. Dr. Grimm  als Präsident der Großglockner Hochalpenstraßen AG,  die Landeshauptleute von Salzburg, Dr. Franz Rehrl, und Kärnten, Ferdinand Kernmaier, der Erbauer der Straße, Hofrat Dipl.-Ing. Franz Friedrich Wallack, Fürstbischof Dr. Adam Hefter, für den Oesterreichischen Automobil-Club dessen geschäftsführendes Vorstandsmitglied Graf Pachta und Rittmeister Eisler, für den Salzburger Automobil Club Vizepräsident Kommerzialrat Edwin Schurich, Oberbergrat h.c. Dipl.-Ing. Dr. Karl Imhof, Rudolf Zrost und Sekretär Baron Seyfferitz, der Präsident des Kärntner Automobil-Clubs, Kommerzialrat Koutnik sowie zahlreiche weitere Ehrengäste anwesend.

Letzte Arbeiten an den beiden Rampen fanden bis in den Spätherbst statt, auf der Kaiser-Franz-Josefs-Höhe wurde noch bis späten in den November hinein gearbeitet. Dann regierte der Winter in den Bergen.

Eine historische Aufnahme entlang der Gletscherstraße (Bildquelle: Presseaussendung Großglockner Hochalpenstraßen AG)

Südrampe der Großglockner Hochalpenstraße, Eröffnungsfahrt am 2. Oktober 1932, hier beim Kasereck (© Emil Klauer, Bildquelle: Allgemeine Automobil-Zeitung, Ausgabe Oktober 1932, Nummer 10)

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