Was geschah 1934 an der Großglockner Hochalpenstraße

Landeshauptmann Dr. Frnaz Rehrl bei der Eröffnung des Straßenteils zum Fuscher Törl und auf die Edelweißspitze

Nachdem sich Rehrl und Wallack jahrelang um den Trassenverlauf der Scheitelstrecke gestritten hatten, konnte sich im Sommer 1933 Wallack mit seiner Hochtorlinie durchsetzen. Seither arbeitete er mit Hochdruck an der Fertigstellung der Scheitelstrecke.

Zwei Termine markierten den Termindruck Wallacks in diesem Jahr. Er wollte die Straße von Hochmais zum Fuscher Törl bis 15. September 1934 fertigstellen und die Ausmauerung des Hochtortunnels bis 15. Oktober beenden.

Harte Arbeit, der Mittertörltunnel wird angeschlagen

Bereits Anfang Mai konnte man mit Lkw bis etwa 1 900 m ü. A. fahren und mit den Einrichtungen der Baustellen beginnen. Im bisher völlig unberührten Gebiet zwischen Fuscher Törl und Hochtor mussten die Teile der zerlegbaren Baracken einzeln von den Arbeitern getragen werden. Am 25. Mai, es war noch fast Hochgebirgswinter, wurden die Arbeiten im Hochtortunnel wieder aufgenommen. Im acht-Stunden-Rhythmus bohrten die Mannschaften Sprenglöcher zur Erweiterung des Tunnelradius. Nach der Sprengung überließen sie den Tunnel der nächsten Mannschaft, bis diese nach acht Stunden gesprengt hatte und für die dritte Mannschaft den Tunnel räumte.

Am Hochtor stand ein Lastauto im Einsatz, das zerlegt dorthin transportiert worden war. Es war auch für den Bau des Mittertörtunnels vorgesehen, der diesen Sommer begann. „Feldmarschall Radetzky“ hieß das Fahrzeug und der Fahrer benützte das Lenkrad weniger zum Lenken als zum Anhalten. Denn der Fahrbahnunterbau war mehr als rau und rumpelig.

Am 19. Juni begannen die Arbeiten am Mittertörltunnel-Südseite, am 23. Juni an der Südseite und am 27. Juli 1934 war der 117 m lange Sohlstollen durchschlagen.

Fester Boden? Unter meterdicken Eisschichten

Überraschung gab es bei den Kehren 16 und 17. Sie befanden sich auf einer Abraumhalde eines aufgelassenen alten Bergbaustollens. Die Arbeiter glaubten hier große Mengen brauchbaren Schotters beim Trassenaushub zu finden. Doch schon in zwei Meter Tiefe stießen sie auf schwarzes Eis von etwa einem Meter Stärke. Darunter fanden sie neuerlich Stollenaushubmaterial, dem nach einem weiteren Meter wieder eine Eisschichte folgte. Erst unter dieser befand sich massiver Gesteinsschutt, auf dem dann die Straße angelegt werden konnte.

Nach zunächst gutem Wetter schlug es in schlechtes Wetter um, das länger dauerte. Bald waren die aus dem Fels gebrochenen Steinvorräte zur Ausmauerung der Tunnels erschöpft. Der Schrägaufzug zum Steinbruch wurde verbessert, die Steinreserven erhöht. Ende August war man mit den Arbeiten aber schon ein Monat in Verzug. Ein zweiter Steinbruch am Kasereck wurde aus Sicherheitsgründen angeschlagen. Von dort führte eine Materialseilbahn hinauf zum Hochtor.

Im Baulos Süd von Guttal zum Hochtor gingen die Arbeiten an der Straße zügig voran. Auch im Baulos Nord von Hochmais zum Fuscher Törl gab es keine besonderen Probleme. Dort hatte man bereits am 11. Mai mit den Arbeiten beginnen können.

Bau der Edelweißstraße auf die Edelweißspitze (links im Hintergrund), Bildquelle: Großglockner Hochalpenstraßen AG

Die Edelweißstraße entsteht

Beim Bau des Abschnitts Fuscher Törl um den Törlkopf herum konnte Wallack 53.000 Schilling einsparen. Mit diesem Betrag begann er im Juli mit dem Bau einer Zweigstraße auf das „Poneck“ (2 577 m ü. A.). So hieß damals die heutige Edelweiß spitze offiziell in den Wanderkarten. Der südöstlich abfallende Hang wurde damals als „Edelweißleite“ bezeichnet, was Wallack zum heutigen Namen des Gipfels inspirierte. Diesen trug er um ein paar Meter ab, um einen Umkehrparkplatz zu schaffen – am höchsten Punkt der Großglockner Hochalpenstraße – 2 571 m ü. A. Drei Meter breit wurde die Edelweißstraße, mit Stöckelpflaster und einem Gipfelparkplatz für 40 Pkw.

Mittlerweile hatte Wallack die Eröffnung der Nordrampe auf den 23. September verschoben. Am 1. August begann Ing. Ennemoser von der Universale – Redlich & Berger Bau mit dem Bau der Edelweißstraße, die ebenfalls am 23. September eröffnet werden sollte. Sie wurde am Abend des 22. Septembers fertiggestellt!

Eine bereits in Ferleiten angelieferte, zerlegbare Magazinsbaracke wurde nun auf den Sattel zwischen Fuscher Törl und Edelweißspitze transportiert und aufgebaut. Sie sollte eine Gaststätte für Besucher beherbergen, das heutige Dr.-Franz-Rehrl-Haus.

Erste Alpenüberquerung und Eröffnung der Edelweißspitze

Nun wurde es noch einmal für Wallack spannend. Am 19. September 1934 teilte die Frau von Wallack diesem mit, dass Landeshauptmann Rehrl am 22. September die komplette Großglockner Hochalpenstraße von Ferleiten bis Heiligenblut befahren will. Dazu lesen Sie meinen Beitrag:

Die erste Alpenüberquerung in einem Automobil.

Darin berichte ich auch über die Eröffnung der Straße bis zur Edelweißspitze am 24. September 1934.

Ende Oktober mussten die Arbeiten entlang der Straße wegen einsetzendem Winterwetter eingestellt werden. Nur im Hochtortunnel wurde noch gearbeitet. Die Außentemperatur sank bis auf minus 17 Grad Celsius. Im Tunnel, dessen Einfahrten mit Holztoren verschlossen wurden, herrschte eine Temperatur um null Grad. Ein Lokomobil leitet Warmwasser in Rohren ins Tunnelinnere, wo Öfen aufgestellt waren. Die von Schnee und Eis gefrorenen Steine vom Steinbruch über dem Hochtor mussten erst aufgetaut werden, bevor sie vermauert werden konnten. Am 23. November wurde der letzte Schlussstein gesetzt. Am 9. Dezember fuhr der letzte Seilbahnwagen vom Hochtor ins Tal. Die Arbeiten waren für dieses Jahr beendet.

Wintereinbruch am Hochtor (Bildquelle: Großglockner Hochalpenstraßen AG)

Advertisements