Was geschah 1935 an der Großglockner Hochalpenstraße

1935 wurde mit Hochdruck an der Fertigstellung der Scheitelstrecke zwischen Fuscher Törl und Hochtor gearbeitet. Im Hintergrund die Edelweißspitze (Bildquelle: Großglockner Hochalpenstraßen AG)

Vom Fuschertörl über das Hochtor ins Guttal waren im Bereich der Scheitelstrecke noch 12,38 Straßenkilometer nicht dem Verkehr übergeben. Davon waren 4,73 Kilometer fast fertig und gewalzt, aber 7,65 Kilometer mussten noch fertiggestellt werden.

Wallack hatte den 1. August 1935 für die Fertigstellung der Straße festgesetzt.

Die Zufahrtsstraßen mussten noch saniert werden

Während die Großglockner Hochalpenstraße für damalige Verhältnisse als moderne Straße galt, war dies bei den Zufahrtsstraßen nördlich und südlich noch nicht der Fall. Die Straße im Salzachtal und von Zell am See kommend war noch einigermaßen passabel. Jedoch die Mölltaler Landesstraße auf Kärntner Seite war so schmal, dass an vielen Stellen die Fahrzeuge nicht einmal einander ausweichen konnten. An manchen Stellen wurde diese Straße auch bei Hochwasser überflutet.

Mit bei der Scheitelstrecke eingespartem Geld konnte zunächst die Einfahrt auf Salzburger Seite ins Fuscher Tal saniert werden. Eine Holzbrücke in Bruck an der Glocknerstraße über die Salzach war nur einspurig und alt. Diese wurde nun erneuert. Aber die Straße zwischen Bruck und Fusch musste noch staubfrei gemacht werden. Dazu waren weitere 722.000 Schilling notwendig, wovon Rehrl 400.000 Schilling aus Landesmitteln zur Verfügung stellte.

Für die Sanierung der Mölltaler Straße stellte die GROHAG 200.000 Schilling zur Verfügung. Den gleichen Betrag sollte die Kärntner Landesregierung aufbringen. Aber erst die Zusage der Bundesregierung, 280.000 Schilling aus der Arbeitslosenförderung zur Verfügung zu stellen, brachte die Sanierung der Mölltaler Straße dann in Gang.

An der Glocknerstraße war Arbeitsbeginn der 1. April

Am 1. April stiegen die ersten Arbeiter zum Hochtor auf. Eine Lawine hatte das Gebäude der Dieselanlage samt Transformatorenstation zerstört. Dabei war ein Mann der Überwinterungsmannschaft ums Leben gekommen. Am 18. April stand die Baracke wieder und am 6. Mai liefen auch die Dieselmotoren wieder an. Wenige Tage später konnte dann die Transformatorenstation neu errichtet werden. Ab 8. Mai lief die Seilbahn vom Tauernbach hinauf zum Hochtor wieder und um zum Südportal des Hochtortunnels zu gelangen, musste in zwölf Meter tiefem Schnee ein 30 Meter langer Stollen gegraben werden.

Beim Mittertörltunnel begann man am 6. Mai mit dem Freischaufeln der Portale. Am 17. Mai starteten die Kompressoren für die Tunnelarbeiten und ab 28. Mai war dann eine neue Schotter- und Sandbrechanlage direkt beim Mittertörltunnel in Betrieb.

Zwischen dem Fuscher Törl und der Fuscher Lacke befand sich die Straße noch im Rohstadium und sogar Felssprengungen waren noch notwendig. Die Arbeiten zwischen Fuscher Lacke und Mittertörltunnel bestanden hauptsächlich in der Herstellung der Fahrbahndecke samt Unterbau. Vom Mittertörl- zum Hochtortunnel war der Bau nur noch im Bereich des Elendsbodens im Rückstand.

Lawinenunglück

Am 25. Mai 1935 ereignete sich ein schweres Lawinenunglück an der Südrampe, bei dem fünf Arbeiter ums Leben kamen. Sie waren gerade mit der Schneeräumung der Straße zwischen Guttal und Glocknerhaus beschäftigt, als beim Fensterbach vom Südhang des Wasserradkopfes eine mächtige Lawine abging. Erst Tage später konnten die Leichen geborgen und am Friedhof in Heiligenblut beigesetzt werden.

Gold!

Die Sandmühle am Nordportal des Hochtortunnels lieferte plötzlich winzig kleine, gelbe, glänzende metallische Blättchen. „Gold“! Arbeiter und Ingenieure opferten ihre kurze Nachtruhe und wurden zu Goldwäschern. Bis, ja, bis man feststellte, dass bei einem Steinbrecher ein Lager ausgelaufen war und dass das fein zerriebene Lagermetall mit dem Sand in den Silo gelangt war.

Fernsprechanlage, wie sie entlang der Großglockner Hochalpenstraße 1935 aufgestellt wurden (Bildquelle: Großglockner Hochalpenstraßen AG)

Mittlerweile hatte man mit dem Aushub des Kabelgrabens für die Straßentelefonanlage entlang der Straße begonnen. Wallack verwirklichte damit einen für seine Zeit modernen Standard, den er 1925 bei seiner Alpenpass-Studienreise gesehen hatte: eine Sprechverbindung entlang der gesamten Panoramastraße mit den Mautstellen.

Die letzten Tage bis zur Eröffnung

Der Mai war verregnet und auch im Juni gab es 13 Regentage.

Die offizielle Eröffnung der Straße wurde mit 3. August 1935 festgesetzt.

Am 24. Juli 1935 besuchte Rehrl nochmals die Baustellen um sicherzugehen, dass Anfang August alles fertig sein wird. Die letzten Kilometer- und Hektormetersteine wurden entlang der Fahrbahn verankert, Tafeln und Verkehrszeichen aufgestellt.

Eine Amtsabordnung des Bundesministeriums für Handel und Verkehr unter Führung des Großglocknerstraßenspezialisten Ministerialrat Dr. Rößler kam zum Glockner. Sie überzeugten sich vor Ort, dass die Straße fertiggestellt war und erteilten am Abend des 2. August 1935 die Benützungsbewilligung für die Scheitelstrecke der Großglockner Hochalpenstraße.

Am Abend des 2. Augusts 1935 fuhr Wallack nach Zell am See, wo er an der Begrüßung der Ehrengäste teilnahm, die tags darauf zur Eröffnung auf den Berg fuhren. Während dieser Fahrt erhielt Wallack die endgültige Nachricht seiner Ingenieure, dass die Straße zur Übergabe an den Verkehr bereit sei. Auf der Edelweißspitze auf 2 577 m ü. A. sah er einen brennenden Holzstoß, den Wallack anzünden hatte lassen. Um 1 Uhr früh am 3. August fuhr Wallack zusammen mit seiner Frau wieder nach Ferleiten zurück.

Die Straße konnte eröffnet werden.

Über die Ereignisse am Eröffnungstag sowie über das erste internationale Automobil- und Motorradrennen auf der Großglockner Hochalpenstraße werde ich in den nächsten Tagen berichten.

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