Mit dem Motorrad auf den Großglockner einst und jetzt – Teil 1

Motorrad Ferleiten

links Lothar Rübelt, cand. ing. Wien auf Brough Superior 680 cm³ (eine englische Luxus-Motorradmarke) und Robert Eberan von Eberhorst, cand. ing. Wien, auf Matchless M 3 S, 1000 cm³ – im August 1927 im Ferleitental beim Versuch über das Hochtor zum Kaiser-Franz-Josefs-Haus zu gelangen (© Lothar Rübelt, Motorrad-Literatur- und Bild-Archiv Prof. Dr. Helmut Krackowizer)

Man sagt, „man fahre auf den Großglockner“, und meint, man unternimmt einen Ausflug zur Großglockner Hochalpenstraße. Oder kann man doch auf „den“ Großglockner fahren? Ich bin dieser Frage und ein paar anderen motorradgeschichtlichen Dingen rund um „den“ Großglockner nachgegangen. Im meinem ersten Teil der Geschichte geht es um die Zeit vor 1939, der zweite Teil meiner Geschichte berichtet von den Motorradfahrten nach 1945 bis ins Jahr 2017.

Auf Steigen zur Kaiser-Franz-Josefs-Höhe: Fahrten vor 1935

Auf Salzburger Seite führte von Ferleiten bis 1935 lediglich ein Wanderweg über das Hochtor nach Heiligenblut. Von der Embachkapelle in Fusch gab es um 1900 eine kleine Straße, die beim Tauernhaus in Ferleiten endete. Die Großglockner Hochalpenstraße endete dann schrittweise 1931 in Ferleiten, 1933 beim Hochmais und 1934 beim Fuscher Törl. Auf südlicher Seite gab es die „Kaiserin-Elisabeth-Straße“ (die alte Glocknerhausstraße), die von 1908 von Heiligenblut bis zum Glocknerhaus befahrbar war. Ihr Verlauf wurde zum Teil dann später in die Großglockner Hochalpenstraße und deren Stichstraße, der Gletscherstraße, integriert. Aber vom Glocknerhaus gab es nur mehr Almwege bis zum Kaiser-Franz-Josefs-Haus. Von Fahrweg oder Straße konnte man also nicht sprechen.

Robert Eberan von Eberhorst auf der Kaiser-Franz-Josefs-Höhe, August 1927 (© Lothar Rübelt)

Oberhalb von Ferleiten war Schluss

Im Sommer 1927 hatten die beiden Motorradfahrer Lothar Rübelt, ein bekannter Sportfotograf, und Eberan von Eberhorst, ein bekannter Ingenieur, eine Auffahrt von Salzburger Seite aus versucht. Sie kamen bis Ferleiten, drehten aber nach ersten Erkundungen des weiteren „Straßenverlaufs“ und der Tatsache, dass sie sowieso nur bis zum Hochtor kämen, wieder um. Sie mussten zurück ins Salzachtal und über den Radstädter Tauern, wo gerade das internationale Tauernrennen stattfand, sowie den Katschberg, nach Heiligenblut fahren.

Lothar Rübelt schrieb 1927 über ihre Fahrt in der Zeitschrift „Das Motorrad“. Schon die Fahrt von Fusch nach Ferleiten „war ein Kampf mit einem Morast“. Schließlich standen sie im oberen Ferleitental beim Wegweiser „Ueber das Hochtor nach Heiligenblut“. Sie folgten einem Weg in frisch geackerter Erde, in der die Motorräder buchstäblich steckenbleiben ohne umzufallen. Zur Mittagsrast gab es einen Laib Brot, Schokolade und klares Wasser aus einem Brunnen. Dann fanden sie Spuren eines Weges und glaubten schon darin die Vorarbeiten zum Bau der Glocknerstraße zu sehen. Doch es handelte sich nur um einen kurzen Weg zu einer neu errichteten Hütte. Sie mussten wieder zur Talsohle umkehren und nahmen dann den oben schon beschriebenen Weg nach Heiligenblut.

Warten in Heiligenblut: jeweils eine Stunde floss der Verkehr talwärts und dann wieder einen Stunde bergwärts, da die alte Glocknerhausstraße nur einspurig befahrbar war. (© Lothar Rübelt)

Wer war der Erste mit einem Motorrad beim Kaiser-Franz-Josefs-Haus?

Es waren sehr wenige Fahrten vom Glocknerhaus hinauf zum Kaiser-Franz-Josefs-Haus. Man kann das deshalb sehr genau sagen, wann wer „am Großglockner“ war, weil es Eintragungen im Hüttenbuch Kaiser-Franz-Josefs-Hauses gibt.

Am 23. August 1927 erreichten bereits erwähnte Lothar Rübelt, cand. ing. Wien auf Brough Superior 680 cm³ (eine englische Luxus-Motorradmarke) und Robert Eberan von Eberhorst, cand. ing. Wien, auf Matchless M 3 S 1.000 cm³ vom Glocknerhaus das Kaiser-Franz-Josefs-Haus in 11 min. (!).

Ernst Dotzler, der nach eigenen Aussagen der Erste mit einem Motorrad auf der Kaiser-Franz-Josefs-Höhe war. (© Lothar Rübelt)

1927 soll auch der aus Wien stammende Ernst Dotzler auf einer damals bereits zehn Jahre alten ‚Della Frera‘ von Heiligenblut kommend bis zum Kaiser Franz Josef Haus gefahren sein. In einem Artikel im „Das Motorrad“, Jahrgang 1927, Ausgabe 66, behauptete Dotzler, er sei der Erste dort oben gewesen und hätte Rübelt und Eberan, die erst im Anmarsch gewesen seien, auf seinem Rückweg getroffen. Diese Behauptung hielt aber nicht stand. Im „Das Motorrad“, Jahrgang 1927, Ausgabe 77, Seite 41, schreibt Lothar Rübelt, dass sein Freund und er nach gelungener Auffahrt zum Kaiser Franz Josef Haus den Heimweg nach Wien mit der Tauernschleuse durch das Gasteiner Tal antraten. Da Dotzler seinerseits schreibt, auf “seinem“ Heimweg wären “drei“ Motorräder auf dem Schleusenzug gestanden, die beiden von Rübelt und von Eberhorst sowie seine, hätten sie sich wohl oben beim Großglockner treffen müssen oder zumindest hätte man dort von “drei“ Motorrädern gewusst und nicht, siehe oben, nur von “zwei“. Belegt ist die Auffahrt von Rübelt und Eberhorst übrigens mit einem Bild, was Dotzler nicht hat, obwohl er in seinem Bericht von Bilder schreibt, die er beim Kaiser-Franz-Josefs-Haus gemacht hatte (aber nicht veröffentlichte).

Resi und Cilly, die beiden Angestellten des Kaiser-Franz-Josefs-Hauses, bestätigten, dass 1927 nur die beiden oben erwähnten Motorräder die Höhe erklommen hätten.

Beim Versuch zum Hochtor auf Kärntner Seite zu gelangen. August 1927, Bild: Lothar Rübelt (© Lothar Rübelt)

Zu ergänzen ist noch, dass Rübelt und Eberan einen Tag vor ihrer Fahrt zum Kaiser-Franz-Josefs-Haus sich über Wanderwege bis nahe zum Hochtor (2 572 m ü. A.) hinauf „gequält“ hatten. In einer Höhe von 2 200 m ü. A. drehten die beiden dann erschöpft um.

Im August 1928 fuhr R. Scheibenreiter mit einer BMW 500 cm³ über Heiligenblut bis zum Kaiser-Franz-Josef-Haus. Auf seiner Hinfahrt wohnte er in Radstadt im Hotel Post, auf der Rückfahrt übernachtete er in Werfen im Hotel „Zur Rieseneiswelt“ (nicht “Eisriesenwelt“!). Die Kosten für die Tauernschleuse betrugen damals für das Motorrad vier Schilling und achtzig Groschen, was für damalige Verhältnisse “nicht billig“ war.

Die Großglockner Hochalpenstraße verbindet Salzburg mit Kärnten

Das erste Fahrzeug, das über die (fast fertige) Großglockner Hochalpenstraße fuhr, war ein Steyr 100. Bei dieser „Erstbefahrung“, die am 22. September 1934 stattfand, lenkte der Salzburger Landeshauptmann Dr. Franz Rehrl das Fahrzeug, sein Beifahrer war der Erbauer der Straße, Dipl.-Ing. Franz Friedrich Wallack. 1935 wurde dann die gesamte Straße eröffnet. 5 482 Motorräder wurden in jenem Jahr auf der Durchzugsstraße und auf der Gletscherstraße gezählt. Die Gletscherstraße führt auf Kärntner Seite von Guttal über das Glocknerhaus auf die Kaiser-Franz-Josefs-Höhe.

1938 waren es bereits 15 951 Motorräder, im folgenden Jahr, in dem der Zweite Weltkrieg ausbrach, waren es waren es sogar 16 962. Zu Kriegsende wurden dann nur mehr 41 Motorräder gezählt.

Franz Friedrich Wallack auf seiner Indian Scout auf der Edelweißspitze (Bildquelle Archiv Großglockner Hochalpenstraßen AG)

Auch Franz Wallack fuhr Motorrad. Er besaß eine „Indian Scout“, mit der er auch die Glocknerstraße befuhr.

Vor dem Krieg gab es noch drei internationale Automobil- und Motorradrennen auf der Glocknerstraße. Dann war mit dem Motorradfahren mehr oder weniger Schluss bis Ende der 1940er Jahre. Davon mehr im zweiten Teil meiner Geschichte.

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